DER NUDELMORD Kommissar Wickelkraut ermittelt Band 3

Sigi Hirsch, das ist ein wahnsinnig unglaubwürdiger Name, und der dazugehörige Mann hat eine noch unglaubwürdigere Biografie. Hätte ich sie irgendwo gelesen, ich hätte kein Wort davon geglaubt, aber als ich mal mit Sigi beim Tee in seiner Wohngalerie saß und er in regelmäßigen Abständen Schriftstücke zückte, um die verrückteren Details seines Lebens zu belegen (zum Beispiel die Titelseite der Londoner Times, auf der er für den Fund einer 160 Jahre alten Locke von Queen Victoria gefeiert wurde), dachte ich irgendwann: »Möglich ist es, dass der echt ist. Unwahrscheinlich, aber möglich.« Mit 20 war er Herausgeber der Satirezeitschrift »total«, für die Erich Kästner und Allen Ginsberg schrieben, danach Anzeigenmann bei Springer, Manager des Jerry- Cotton-Autors Heinz Werner Höber, Verlagsleiter beim Coburger Tageblatt, Antiquar mit Schwerpunkt Sachsen-Coburg-Gotha, Maler, Dichter, Poetry Slammer, Kabarettist. Wenn also das Beste, was er schreiben könnte, eine Autobiografie wäre (mit einem ausführlichen Bildteil zum Beweis des Behaupteten), so ist das Zweitbeste das, was er tatsächlich schreibt: atemberaubend verrücktes Zeug wie die Krimis um den Kommissar Wickelkraut und den Forensiker Winkelmuss und ihre Liebe zu der täglichen Thermoskanne Kaffee, die im Verhältnis 1:2 mit Stroh-Rum aromatisiert wurde. Wobei: Krimis? Sind das überhaupt welche? Dieses Buch liefert zwar die obligatorischen zwei bis drei Leichen, ist aber in Wahrheit eine wunderbar wüste Quatsch- und Assoziationskette, beginnend mit einem Sarg aus Hartweizengrieß und der Einführung von Wickelkrauts Gattin Chantal (einst Löwendompteuse, jetzt mit 100 Kilo alleinige Schläferin im ehelichen Doppelbett) über Mafia und Papst und Nudelrezepte und – ach, das sehen Sie dann schon. »Der Nudelmord« ist nach dem »Kartoffelmord« nun schon der zweite Krimi, der sich um eine tödliche Sättigungsbeilage dreht. Ich kann nur hoffen, dass es weiter geht in der Reihe der Killer-Kohlehydrate. Kann es nicht bitte einen Reis-Mord geben, in dem ein Chinarestaurant-Küchenarbeiter (eigentlich ein getarntes Triaden-Mitglied) mit einem angespitzten Korn aufgeschlitzt wird? Oder den Quinoa-Mord in einem gluten- und laktosefreien Meditationszentrum? Oder einen Buchweizengrützen-Mord, der… oh, die Möglichkeiten! Sigi Hirsch wird sie alle erfinden, Kommissar Wickelkraut wird sie alle lösen, und der Leser wird über alles kichern. Das Leben kann so schön sein. Meike Winnemuth, Bestseller-Autorin, „Das große Los“ und STERN Kolumnistin
Preis: 
9.90 €
Shop-Kategorie: